Der Kompressor ist ein ungemein nützliches Werkzeug, um die Dynamik von Signalen (vor allem Gesang) zu verringern und ein gleichmäßigeres Signal zu erhalten. Um die Wirkungsweise eines Kompressors zu erläutern, habe ich einfach folgende Gesangszeile ausgewählt:
Wie Du siehst, sind einige Stellen lauter als andere. Bei einem Konzert würden diese sehr stark herausstechen und der Rest ("to be") kaum zu hören sein. Der Kompressor soll nun selbständig laute Passagen aufspüren und leiser regeln. Dazu stehen in erster Linie zwei Einstellmöglichkeiten zur Verfügung: Threshold ("Schwellenwert") und Ratio ("Verhältnis"). Mit Threshold stellt man den Pegel ein, ab dem der Kompressor überhaupt erst tätig werden soll. Im obigen Beispiel ist der Threshold so hoch eingestellt, dass der Kompressor keine zu lauten Stellen finden kann. Das ändert sich, wenn wir den Threshold tiefer ansetzen. Alle Stellen, die über dem Threshold liegen, sollen nun komprimiert, dass heißt leiser geregelt werden. Dazu müssen wir dem Kompressor mitteilen, wie stark er komprimieren soll. Das wird über das Verhältnis (Ratio) von Ein- und Ausgangssignal eingestellt. Ein Verhältnis von 1:2 (eins zu zwei) bedeutet: Wenn der Kompressor komprimiert, halbiert (1:2) er die Lautstärke der zu lauten Stellen. Das sieht dann so aus:
Das Wort "Wild" wird nun an den zu lauten Stellen um den Faktor ½ (1:2) leiser. Damit ist die lauteste Stelle des Satzes schon ein wenig besänftigt. Um auch die restlichen Schwankungen des Satzes zu komprimieren, müssen wir den Threshold natürlich tiefer setzen, am besten so, dass die leisen Stellen ("to") nicht komprimiert werden:
Das sieht doch schon besser aus, oder? Alle lauten Stellen werden nun vom Kompressor erkannt und "normale" Stellen in Ruhe gelassen. Um die Kompression der lauten Stellen noch weiter zu erhöhen, können wir das Verhältnis von 1:2 auf etwa 1:6 stellen: Perfekt!
Mit einer derartigen Einstellung kann man sicher sein, dass der Gesang gut eingebettet wird und immer verstanden werden kann. Selbst wenn ein Sänger mal sehr temperamentvoll wird hält der Kompressor den Pegel in Grenzen. Nun könnte man auf die Idee kommen, einfach eine gigantisch hohe Kompression mit sehr niedrigen Threshold einzustellen, damit ein Instrument oder der Gesang nie zu laut werden kann. Leider funktioniert das nicht, da der Kompressor in Spielpausen derart hochregeln würde und heftige Mikrofonrückkopplungen mit der Monitoranlage entstehen würden. Bei Liveveranstaltungen ist es also ratsamer, den Kompressor nur dafür zu benutzen, ausschließlich zu hohe Pegel bzw. zu starke Spitzen zurückzunehmen.